
Ein Neubeginn mit Diego Espinosa
Es war beeindruckend, das erste Sommertreffen der Gruppen im Kumano Juku Espana vom 1. bis 4. Juli in Palma de Mallorca. Vieles war anders und vieles war neu - auch für diejenigen, die schon länger dabei sind.
"Heutzutage ist das Ken im Aikido das, was ich hier wirklich sagen möchte: vollkommene Aufrichtigkeit ausdrücken, aus ganzem Herzen handeln. Es ist dein wahrhafter Geist. Handeln, und dabei alles von dir geben, das kannst du nicht vortäuschen. Es ist keine einfache Frage der Form, es ist das, was aus dem Grunde deines Seins entspringt, aus dem Grund deines Herzens. Aikido wird nicht über eine andere Person gewinnen, es wird der Sieg über einen selbst sein. Es wird dein Leben verändern. Friede und Glück geben, Dankbarkeit zeigen, Danke sagen, das führt zu Harmonie und Frieden. Das ist die geistige Haltung." -- Morihei Ueshiba
"Ich suche den Lehrer, der am besten dazu passt. Deshalb habe ich nur wenige Schüler, aber das ist gut so." Mit diesen Worten schloss Diego Espinosa Sensei am letzten Tag seines Kurses die letzte Stunde. Es war Sonntag, der 4. Juli 2010, und hinter 40 Aikidoka aus Elche und Valencia vom Festland Spaniens, aus Neuruppin im Osten Deutschlands und vom Centro Aikido Mallorca lagen fünf intensive Trainingseinheiten. Dieser Kurs bedeutete einen Neuanfang für alle Beteiligten, besonders aber für Diego Espinosa Sensei, der im 40. Jahr seines Aikido-Schaffens in Anno Motomichi Sensei den Lehrer gefunden hat, der für ihn am besten zu den Worten des Begründers passt. Der Leiter des Kumano Juku Dojos in Shingu Japan war Schüler bei O'Sensei und Schüler bei Hikitsuchi Michio Sensei.
"Jetzt ist Zeit für Ken und Kimotschi (fließende Bewegung), der Körper bleibt aufrecht, der Körper ist ganz weich. Wir haben nichts gegen unseren Partner, er ist kein Gegner, wir arbeiten nicht gegen ihn, wir stellen eine Harmonie mit ihm her." Diese Worte hatte Anno Sensei im April gesagt, als Diego Sensei im Kumano Juku Dojo zu Besuch war.
Diese Worte stellte Diego Sensei einem Kurs voran, der von nun an in jedem Jahr seinen Platz im Kalender derer finden soll, die sich dem Kumano Juku des Anno Sensei verbunden fühlen. Zum Kumano Juku Espana und Deutschland könnten sich in Zukunft die Freunde aus Frankreich, der Schweiz und den USA zu einem gemeinsamen Treffen gesellen. "Una gran Familia", eine große Familie, das wünscht sich Diego Sensei, nach der Idee von O'Sensei und dessen anderem Ausdruck für Aikido: Budo des Friedens.
Katate Ryote Dori - Ikkyo, Ude Kime Nage, Irimi Nage. Namen von Techniken. Techniken sollten in diesem Kurs zweitrangig sein. "Aikido hat keine Form", sagte O'Sensei."Eines Tages, wenn du alle Techniken kannst, musst du beginnen, sie wieder zu vergessen." Diego wünschte es sich von seinen Schülern und Gästen, dass sie bis zum letzten Tag des Kurses nach diesem Satz handeln sollten. So begannen die Techniken zu zerfließen. Der Schweiß floss in Strömen, was nicht nur an der sommerlichen Hitze lag. Volle Konzentration auf das Vergessen strengte an, brachte die Energien auf Touren.
Aihanmi Katate Dori Ushiro Ryote Dori - Kokyu Nage, die Atemkraft ist universell, die Techniken nicht. "Man kann keine Stile kopieren, auch nicht den von O'Sensei", sagte Diego Sensei Freitagabend, während der zweiten Stunde. "Mit der Erfahrung kommt euer eigenes Aikido."
Erfahrungen der etwas anderen Art erlebten die vier Jungs aus Deutschland noch am selben Nachmittag. Aikidoka Olaf, der in einer Tauchschule arbeitet, hatte die Alemanes eingeladen. Zu einer Bootstour mit Schnorcheln in der Bucht von Alcudia. Dass sie Steilwände erklimmen und durch Tropfsteinhöhlen kriechen, von Klippen springen sollten, hatte Olaf wohlweislich verschwiegen. Es gefiel aber trotzdem sehr. Anschließend wurde tatsächlich geschnorchelt, welch eine Entspannung. Auch hier - wie abends im Dojo - waren die Jungs auf der Suche nach der perfekten Bewegung.
Ken und Bo sollten ihren Platz in den Einheiten am Sonnabend finden. Masakatsu Bojutsu und Sho Shiku Bai no Ken - Formen, kreiert von O'Sensei für sein friedliches Aikido der Zukunft.
Auch hier, wie bei den waffenlosen Inhalten, galt es, die Regeln von Hikitsuchi Sensei zu beachten: Nicht warten, nicht offen sein, nicht in die Augen schauen. Tasaka Sensei hatte besonders zum letzten Punkt einige Erklärungen während der Ken-Übungen im Kumano Dojo: 1. das Gegenüber hat einen starken Willen und beeinflusst dadurch deine Handlung. 2. Ich verliere sonst mein Umfeld aus den Augen, deshalb nicht auf den Partner schauen.
Überall kleine Budo-Regeln, die es zu beachten gilt, und Diego Sensei sagte: "Ich bin nicht gegen den Partner, aber wir sind im Budo, das ist kein Aikido-Tanz, wir bauen auf, aber es ist Budo. Dieses Budo ist konstruktiv im Konflikt, aber es ist Budo. Denkt an Führen, nicht an Angriff brechen. Es ist das einzige Budo, das den Partner einlädt, anzugreifen."
Sätze, wie viele noch fielen:
Bewegungen wie Ken führen, keine Pause.
Keiner berührt mich, ich berühre keinen.
Wenn ich mit einem Ken angegriffen werde, versuche ich hinter Uke zu kommen = Budo Logik
Wenn ich den Partner gerufen habe, dann versuche ich, beide Körper in einer Bewegung zu vereinen.
Im Aikido das "Ich" ausschalten.
Während der Bewegung sehen, was möglich ist, nichts vorbereiten, fließen lassen.
Der Konflikt löst sich im selben Augenblick auf.
Den Partner führen, aber ohne die Prinzipien zu vergessen: nicht offen sein
Absurde Situation: Viele Ukes warten darauf, geworfen zu werden. Das ist nicht logisch. Im Budo will ich schnell aus der Gefahrenzone kommen - mit Ukemi. Beispiel: Kaiten Nage-wenn Uke unten bleibt, bekommt er das Knie zu spüren.
Wenn der Uke einen Fehler aufdeckt, nicht aufhören, nicht mit dem Fehler weitermachen, sondern sich auf die neue Situation einstellen, in der Bewegung weitermachen.
Technik ist das eine, der Geist das andere. Dein Geist: nicht gewinnen wollen, niemanden verletzten wollen.
Man kann alles transformieren, jede Form, und sollte sie noch so hart sein ...
Vor jedem von uns liegt also viel Arbeit - Arbeit mit Studieren und Probieren, Lernen und Vergessen, Arbeit mit dem Partner und an uns selbst. Diego Sensei hat seinen Lehrer gefunden. Wir gehören zu den Schülern, die ihm auf dem neu entdeckten Weg folgen. Und das ist gut so.
Dirk Becker
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