
Wir gehören alle zu einer Familie
Aikido ist Budo. Aber es unterscheidet es sich von anderen Kampfkünsten. Im Aikido geht es nicht darum, miteinander zu kämpfen. Es geht darum, miteinander zu üben - nicht darum, sich als Gegner gegenüber zu stehen, die einander besiegen wollen. Aikidoka gehören alle zu einer großen Familie. So hat O sensei Morihei Ueshiba seine Kampfkunst oft beschrieben. Und so hat sie auch Diego Espinosa sensei (5. Dan Aikikai), der Leiter des Centro Aikido Mallorca, bei seinem dritten Kurs in Neuruppin immer wieder erklärt.
Drei Tage lang war Diego sensei vom 21. bis 23. September in unserem Dojo zu Gast und mit ihm mehr als 20 andere Aikidoka aus Mallorca. Die meisten von ihnen üben Aikido seit vielen Jahren und sind längst Yudansha (1. bis 4. Dan) und selbst Lehrer.
Für uns Neuruppiner war dieser Kurs eine besondere Erfahrung, noch ein wenig anders als die beiden Kurse zuvor. Nicht nur wegen der Dinge, die wir von Diego sensei lernen konnten. Wir haben inzwischen tatsächlich das Gefühl mit den Mallorquinern zu einer Familie zu gehören, unser Verbindung mit dem Centro Aikido Mallorca ist noch fester geworden. Und das wirkt sich auch auf das gemeinsame Training aus. Es gibt keinen Angreifer. Wie kann es das auch? Wer würde seinen Familienmitgliedern angreifen? Diego sensei hat viel erklärt an diesen drei Tagen, und vieles davon ist erst zu verstehen, wenn man sich länger damit auseinandergesetzt hat.
Dazu gehört auch, dass es nicht immer wichtig ist, wie exakt eine Aikido-Technik ausgeführt wird. Beinahe noch wichtiger sei das Gefühl, mit dem man dem Aikido gegenübertritt.
Es gibt keinen Angreifer im Aikido. Eine Folge für das tägliche Training: Nicht Uke greift Nage an. Vielmehr lädt Nage seinen Partner mit einer eindeutigen Geste ein, die Technik mit ihm zu üben. Nage wartet nicht, sondern er geht auf Uke zu. Nicht aggressiv, sondern mit dem unausgesprochenen Angebot, zum Beispiel eine Hand zu ergreifen oder eine Schulter. Dieses „Einladen“ zog sich durch den gesamten Lehrgang und es wird uns mit Sicherheit auch weiterhin beschäftigen.
Bei aller Theorie, hat Diego sensei drei Lehrsätze für das Training auch diesmal wieder betont: Nicht abwarten. Nicht in die Augen sehen. Nicht offen sein.
Hier gibt es mehr Bilder vom Kurs.
P.S. Ganz so ernst, wie es vielleicht klingt, war das Wochenende trotz aller Lehren natürlich nicht.
gru
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